Reisen durch Myanmar – jetzt oder nie.

Vorwort: Dieser so wie alle folgenden Texte über unsere Reise durch Myanmar entstand noch vor dem brutalen Militär-Putsch, der am 1. Februar 2021 stattfand. Das Arrangement zwischen der Regierungspartei NLD und dem Militär, dass dem Land Hoffnung gab, wurde mit dem Staatsstreich der Armee ohne Warnung beendet. Das Militär gibt vor, mit seinem Putch die Demokratie retten zu wollen. Im Volk formiert sich Widerstand, der durch Angst und Schrecken unterdrückt wird.  Der Militärstaat ist wieder da.  Das Land, das wir so schätzen gelernt haben, ist auf einem Kurs mit ungewissem Ausgang. Wir denken an all die tollen Menschen, die wir kennen lernen durften, die die Hoffnung auf Besserung in sich trugen – und sind einfach nur traurig. Halten wir unsere guten Erinnerungen fest.

Ehrlich gesagt bin ich gerade etwas überfordert, unseren Urlaub nach Myanmar in Worte zu fassen. Ich muß diese Eindrücke aber los werden, um sie zu verarbeiten. Der ersten Welt über eine dritte Welt erzählen, die so anders wunderschön, aber auch so komplex und fremd zugleich ist. Also, wo fange ich an…? Am besten an diesem einen Samstag Morgen…

U-Bein Brücke Mandalay

Der Ruf der Unbekannten

Wir sind mal wieder spät dran mit unseren Urlaubsplanungen. Wie immer planen wir zu kurzfristig. Aber unser Urlaub muß in diesem Jahr im nebligen November stattfinden,  soll trotzdem etwas besonderes werden und uns nach einigen schönen Urlauben in nahen Gefilden aus unserer Komfortzone katapultieren. Easy also…

Also rufen wir an diesem Samstag Vormittag kurzentschlossen beim Reisebüro unseres Vertrauens an. Das hat uns schon an einige schöne Plätze dieser Welt gebracht: „Südafrika, Thailand, Namibia, war alles riesig… Wo könnten Sie uns denn dieses Jahr hinschicken?“ „Myanmar“, antwortet unser Travelagent am anderen Ende der Leitung ohne zu zögern und wie aus der Pistole geschossen. Seine vertraute tiefe Stimme klingt dabei irgendwie sehr bestimmt: „Da fahren Sie hin… Besser jetzt als später.“

Ohne Zweifel…?

Nein, nicht nach Vietnam und auch nicht nach Indien, sondern nach Myanmar, in das alte, vom Buddhismus geprägte ehemalige Königreich Birma soll es also gehen. Wir erinnern uns: Da wollten wir schon vor einigen Jahren hin…und hatten dann schließlich doch keinen Mut, sind stattdessen nach Thailand geflogen. Nach dem Anruf googeln wir, das macht es nicht besser: auch dieses Mal kommen wieder Zweifel. Sollen wir wirklich in ein Land fahren, das gerade Mal seit drei knappen Jahren die ersten vorsichtigen Schrittchen aus einer jahrzehntelangen Militärdiktatur in die Demokratie macht? Dessen weltberühmte Politikerin und jetzige Regierungschefin Aung San Suu Kyi einen Friedensnobelpreis bekommen hat, nachdem sie 15 Jahre in Haft gesessen hat? In ein Land, das aktuell wegen seines brutalsten Umgangs mit ethnischen Minderheiten fast wöchentlich in den Schlagzeilen steht? In ein Entwicklungsland? Einige Freunde und Familienmitglieder, denen wir in der folgenden Woche von unseren Plänen erzählen, schütteln verwundert den Kopf: „Wohin wollt ihr? Echt jetzt?“

Eine Reise ins Mittelalter.

„Lassen Sie sich drauf ein,“ ermutigt uns unser Agent, als wir eine Woche später seinen Routenvorschlag durchgehen. Er selbst bereist das Land schon seit einigen Jahren und hat dessen Entwicklung bis heute mitbekommen. „Aber wird das nicht so wie Thailand?“, fragen wir. Schließlich möchten wir etwas neues sehen. Er beschwört uns geradezu: „Nein. Es wird eher eine Reise ins Mittelalter. Noch hält sich der Tourismus in Grenzen. Das Land steht aber auf der Schwelle zu einer neuen Ära, ob zum Besseren, das wird sich zeigen.“

Wir gehen in uns und schauen uns vor dem Schlafengehen schrille Reiseberichte von YouTubern an, recherchieren journalistische Berichte aus den Online-Mediatheken von ARD und ZDF. Erstaunlich, was es da alles zu Myanmar gibt. Und dann…buchen wir. Und wissen dennoch zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich, auf was wir uns da einlassen…

Nachtrag 2021: 

Das Arrangement zwischen der Regierungspartei NLD und dem Militär, dass dem Land Hoffnung gab, wurde mit dem Staatsstreich am 1. Februar 2021 ohne Warnung beendet. Das Militär gibt vor, mit seinem Putch die Demokratie retten zu wollen. Im Volk formiert sich Widerstand, der durch Angst und Schrecken unterdrückt wird.  Der Militärstaat ist wieder da.  Das Land, das wir so schätzen gelernt haben, ist auf einem Kurs mit ungewissem Ausgang. Wir denken an all die tollen Menschen, die wir kennen lernen durften, die die Hoffnung auf Besserung in sich trugen – und sind einfach nur traurig.

A Call for adventure

Traveling to Myanmar? No. Not Vietnam, nor India. But to Myanmar, in the former legendary Burma. We wanted to go there six years ago … and finally had no courage. Which leaves us even at this point. We google, but that does not make it any better. Are we really going to travel to a country that has been making its first cautious steps out of decades of military dictatorship into democracy for just three short years? Whose famous head of state won a Nobel Peace Prize after being in prison for 10 years? In a country that is currently making headlines almost weekly due to its most brutal treatment of ethnic minorities? In a developing country?

A journey to the Middle Ages.

„Take it easy,“ our agent encourages us as we go through his suggested route a week later and adds. „It’s going to be a journey into the Middle Ages.“ He has traveled the country for many years and has witnessed its development to this day. „But is it not going to be like Thailand?“ we ask. He literally invokes us, „Myanmar is different. The people incredibly friendly. The whole country is on the threshold of a new era, it will change. There will be more tourists. Whether that leads to the better, that’s in the stars. „Well, if that says a travel planner, …

Let’s summarize: We book. And yet, at this point, we did not really know what we were getting into.

Postscript 2021

The arrangement between the ruling NLD party and the military that gave the country hope was ended without warning with the coup d’état on February 1, 2021. The military pretends to want to save democracy with its putch. Resistance is forming among the people, suppressed by fear and terror.  The military state is back.  The country we have come to love is on a course with an uncertain outcome. We think of all the great people we were privileged to know, who carried hope for improvement – and we are just sad.

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