Wenn die Sonne am Cap Blanc Nez untergeht und der frierende Fotograf im Matsch liegt.

Die Region Nord-Pas de Calais ist bekannt aus der wunderbaren französischen Komödie „Willkommen bei den Sch’tis„. Anlass für uns, der Region im Norden Frankreichs, die gleich hinter der belgisch-französischen Grenze beginnt, einen Besuch abzustatten. Ein Besuch, der mit einem eigentlich verkorksten Sonnenuntergang begann…

Auf einer Landspitze mit dem vorwitzigen Namen „Cap Blanc Nez“, also „Kap Weiße Nase“ legen wir unseren ersten Stopp ein. Das Kap liegt an Frankreichs Ärmel-Kanalküste, die in diesem Bereich berechtigterweise Côte d’Opale genannt wird. Hier schimmert das Wasser in einer wunderbaren Farbe, wie man sie eigentlich sonst nur aus der Südsee kennt.

Gleich nach unserer Ankunft im kleinen Hotel in einem noch kleineren Ort direkt an der Küste treibt es uns gleich zu Fuß rauf auf das Kap und an den Strand. Das Cap Blanc-Nez besteht aus weißem Kreidegestein und Mergel und fällt spektakulär steil zum Meer ab. Auf dem Gipfel steht noch ein gigantischer Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg und ein Obelisk. Letzterer wurde zu Ehren der britischen Dover Patrol des Ersten Weltkrieges errichtet. Der Bunker wurde von den Deutschen im zweiten Weltkrieg aus Beton gegossen. Eigentlich scheint das ganze Kap ein riesiger Bunker zu sein. Überall sieht man den dicken, alten Beton aus dem Sand ragen. Von hier wurde Richtung England gefeuert. Die weißen Klippen von Dover kann man von hier sehen.

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Kurz gesagt: es ist ein Landstrich mit unglaublichen Farben, manchmal tosendem Meer, einschüchternder Geschichte und absolut phantastischen Naturschauspielen.

Am Strand begegnen wir einem ortsansässigen Fotografen. Es ist Ebbe. Er sei öfter hier, erklärt er mir lachend, nachdem er mich als deutschen Touristen erst vorsichtig gemustert und dann trotzdem als Quasi-Leidensgenosse ins Herz geschlossen hat. Er deutet auf seine Ausrüstung, die auf dem nassen Sand des zurückgelaufenen Atlantiks liegt. Ach, und so viele Fotografen habe er hier auch noch nie gesehen. Wir sind tatsächlich zu dritt: Ein wenig entfernt lichtet ein Fotograf ein Modell im warmen Licht der noch kühlen, untergehenden Sonne ab. Das Modell steht mit wallendem buntem Kleid im Watt und fröstelt sichtlich.

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Auch wir warten nur darauf, dass die rote Sonne die weißen Klippen in ihr warmes Licht taucht. Mit dem Rücken zum Meer stehend sind wir auch ganz guter Hoffnung, bis, ja bis sich plötzlich Regenwolken vor die bis dahin viel versprechende untergehende Sonne schieben und der weiße, bereits leicht rötliche Felsen vor unseren Augen regelrecht „erlischt“.

Zuerst sind wir enttäuscht. Doch dann, mit einem Mal, reißt der erfahrene Kollege sein Stativ herum, und ruft: „Das wird spektakulär. Los, dreh dich rum. So etwas sieht man selten!“ Und schon knien wir mit patschnasser Jeans im kalten Schlick und vergessen alles andere um uns herum. Was soll ich sagen: Er hatte recht, der alte Fuchs.

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