Hafenkran140219 Hafenkran

Hang’em higher!

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Gestern Abend am Ufer des Mains setzte der Regen ein.  Dicht und fies verteilt breitete er sich wie aus einer Sprühflasche geschossen über der Stadt aus. Die feinen Tropfen schienen die Geräusche der Stadt förmlich unter sich zu ertränken, so merkwürdig ruhig war es. Die Motorengeräusche der Autos auf der Uferstrasse erstickten wie hinter einem nassen, durchsichtigen Vorhang, und lautlos glitt ein riesiger Frachter fast zum Greifen nah an mir vorbei – ein Geisterschiff. Die Regentropfen rannen mir nur so durchs Gesicht. Mit großen Schritten, den schwarzen Mantelkragen hochgeklappt, lief ich weiter am Fluss entlang. Die vereinzelt aufgestellten Laternen reichten gerade aus, um nicht über das gelb schimmernde Kopfsteinpflaster zu stolpern.

Plötzlich reckte sich vor mir – galgengleich – die dunkle Silhouette eines alten Hafenkrans in den verregneten Himmel, der von den Lichtern der Stadt in ein gelb-graues Licht getaucht wurde.  Während ich meine Kamera bei strömender Nässe aus der Tasche nestelte, schien es mir, als hörte ich im Hintergrund zwei heisere Stimmen langsam miteinander reden: „You don’t remember me, do you?“ „No.“ „When you hang a man, you better look at him.“

(aus: Hang’em higher, 1968)

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