Graffiti-Künstler und EZB, Kapuze

„Underartconstruction“ – Graffiti

Graffiti-Künstler und EZB, Kapuze

„Was ist der Unterschied zwischen Schwarz und dem Nichts?“, höre ich im Halbdunkel einen Kapuzenpulli den anderen fragen, während ich kurz vor Mitternacht mit offenem Mund vor dem leuchtenden Graffiti einer riesigen Eule stehe. Es riecht nach frischer Farbe. Weil ich aus dem Staunen nicht mehr herauskomme, stolpere ich dann auch gleich über eine der unzähligen, silbern glänzenden Dosen, die auf dem Boden stehen. Na, guten Abend auch.

In der langen Nacht der Frankfurter Museen wird also gesprayt: „Underartconstruction“ hat man das Graffiti-Projekt im Frankfurter Osthafen sinnhafterweise genannt. Im grellen Licht mitgebrachter Scheinwerfer strahlen die riesigen Bilder nämlich auf 400 Quadratmetern Bauzaun. Was sonst eher im verborgenen stattfindet, wird heute Nacht zwischen dem Stacheldraht der EZB-Baustelle und dem Mainufer buchstäblich ans Licht gebracht. Eine grandios inszenierte Aktion vor dem gewaltigen Schatten des dunklen EZB-Turms. Kayo, Kent, Case, Renegades, Tokio, Cor oder Stewo nennen sich die internationalen Graffiti-Stars, für die das Sprayen unter den Augen des bürgerlichen Publikums auch ziemlich ungewohnt zu sein scheint. Sie haben ihre Kappen und Kapuzen sehr tief ins Gesicht gezogen und tauchen immer nur kurz und schemenhaft vor ihren Werken auf, um ihnen einen weiteren Schuss Farbe zu verpassen.

Ich fotografiere gefühlt irgendwie in einer Twilight-Zone, wandele in der inszenierten Schattenwelt einer Kunst, die im Alltag nicht nur Beifall erhält. Dabei sprühen diese Künstler nicht nur einfach so vor sich hin, sondern haben etwas zu sagen: Im Halbdunkel – hinter den Scheinwerfern – wird weiter heftig und leidenschaftlich über Farbe, Form und Inhalt diskutiert, bevor der nächste Strich im Scheinwerferlicht aufgesprüht wird. Und was nicht passt, wird radikal übermalt.

Ich fühle mich an eine Graffiti-Tour durch New York erinnert. Graffitis sind das Zeichen für das Vorhandensein von Subkulturen, die Nährboden für die Kreativität einer Stadt sind und für ihre Fähigkeit stehen, sich immer wieder neu zu erfinden. Interessant dabei ist, dass das Projekt „underartconstruction“ in Kooperation zwischen einer verborgenen Sprayer-Elite und einer mächtigen EZB entsteht, welche gerade den nächsten spiegelblanken Turm in Frankfurt hochzieht.

Noch ein Tipp: Solange die EZB baut, wird noch weitergesprayt. Es ist eine sich ständig wandelnde Ausstellung, die einen Abstecher wert ist. Denn wer weiß, in welchen Underground die bunte Szene wieder abtaucht, wenn die mächtigen Banker ihren blitzblanken Turm bezogen haben.

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2 thoughts on “„Underartconstruction“ – Graffiti”

  1. Tolle Bilder, Du hast die Aktionen gut eingefangen. Genug Licht um zu erkennen und doch ein bisschen im Dunkeln gelassen…..
    Es sind Künstler, das steht außer Frage. Man ist erstaunt wie die großen Bilder entstehen.

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