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Beim Radrennen – ein Flashback

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Ich bin überrascht. Verdammmt. Sind die schnell. Zu schnell…

Flashback. 25 Jahre früher.

Einer meiner allerersten Jobs als rasender Sport-Reporter für den Lokalfunk (der Harry Valerien der Pfalz, sozusagen) verschlug mich zum Radrennen Tour de Luxembourg. Zur Königsetappe, die auch zugleich die letzte Etappe dieser Rennveranstaltung war. Am Ende dieses Tages sollte die Krönung des Mannes im gelben Trikot stehen – und mein Anruf im Studio mit Eindrücken von der Strecke und dem Rennergebnis.

Gerüstet mit Rekorder und blauem Mikrofon, das ich wie ein Schwert vor mir hertrug, schlug ich mich durch die Zuschauer am abgesperrten Finish. Mein Ziel: der gebuchte Platz der Journalisten – eine Art Container für Fachleute – direkt über der Ziellinie. Loge, sozusagen. Nun muß man hinzufügen, dass ich mit Radrennen bis dahin nichts und noch weniger als Nichts zu tun gehabt hatte. Weder waren mir die Fahrer und ihre Karrieren ein Begriff (na gut, Eddie Merckx vielleicht, aber der war ja wohl schon in Pension, da war ich sicher), noch hatte ich jemals ein Radrennen live besucht. Aber mein vorsichtiger Hinweis darauf beim Chefredakteur hatte nichts geholfen. Er hatte was von kaltem Wasser erzählt, mir auf die Schulter geklopft, und so wurde ich Grünschnabel denn trotzdem „geschickt“. Also schlich ich mich nun mit offenem Ohr unter die Experten und hörte zu. Alles schien entspannt. Lockeres Fachsimpeln unter Kollegen aller Herren Länder. Ich schrieb fließig mit.

Und dann geschah es. Das Feld näherte sich …und wischte, und sausste, und brauste in einem Affenzahn an unserem Container vorbei. Um mich herum begann es zu rauschen. Alle Experten schnarrten in einem wilden mulitkulturellen Durcheinander und riefen Namen, Zeiten und Positionen in ihre Mikrofone. Es rasselte nur so aus ihnen heraus. Und dann war es in gefühlten drei Sekunden vorbei…

Ich hatte nichts und gar nicht verstanden. Keine Anzeigetafel, nichts was mir die Namen und Sieger hätte verraten können. Es war vorbei. Panik. Nein, NEIN, N-E-I-N…das durfte nicht wahr sein. Was nun? Aber Rettung nahte. Um mich rum stieg die Spannung kirz drauf schon wieder. Rasselnde Schaltungen und Reifensurren auf Asphalt näherten sich. Da kamen die Fahrer ja nochmal wieder?! Und wieder brach der Wahnsinn aus. Nur diesmal schienen es mehr – ja – viel mehr Fahrer… Mein Gott. Sie drehten Runden! Sie fuhren die letzten Kilometer im Kreis, um dem wartenden Zielpublikum ein packendes Finish zu bieten. Und das Führungsfeld hatte sich nun zu allem Überfluss mit dem überrundeten Hauptfeld vermischt. Wer war denn jetzt vorne und wo war hinten?! Fluchtreflexe, mein Blick ging Richtung Notausgang.

Die alten Hasen unter den Kollegen hatten den Durchblick. Sie waren begeistert. Riefen und juchzten in ihre Mikrofone. Und dann war es schon wieder vorbei. Dann fiel noch ein Name: Merckx. WAS? Eddie Merckx? Nein, Nein, Nein, Nein. Unmöglich. „Was? Sein Sohn?“ „Axel, ah,…ja, klar. Natürlich. Hehe. Klar.“ Er hat einen Sohn? Irres Lächeln machte sich auf meinem Gesicht breit. Ich kritzelte den Namen hektisch auf mein Blatt. (Wie schrieb sich der Merc..nochmal?)

Und dann kam das Finish. In rasender, ach, was sag ich, in Lichtgeschwindigkeit und unter tosendem Beifall huschten die Sieger dann ein drittes und letztes Mal an uns vorbei… Und das war’s: Mein Waterloo. Napoleon in Luxemburg. Entsprechend gefühlte 10 Zentimeter kürzer als ich gekommen war verließ ich mit meinem kleinen Zettel das Schlachtfeld. 40 Minuten später sagte ich die Reportage ab. Der Redakteur im Studio füllte meinen Sendeplatz mit Musik.

Zurück. 2013.

Ich bin überrascht. Verdammmt. Sind die schnell. Zu schnell… Mit meiner Kamera sitze ich heute an der Strecke des Radrennens Finanzplatz Eschborn-Frankfurt, ehemals bekannt als legendäre Tour um den Henninger Turm. Mal sehen, was mit der Neuen geht. Und da surren sie heran. Auf ihren Radboliden. Und dann: Das Rauschen von damals ist wieder da. Wieder bin ich von der Geschindigkeit der Profis überwältigt. Mein Verschluß klackert im Schnellmodus. Blende rauf, runter, Iso rauf, runter. Plötzlich fühle ich mich wie damals mit dickem Grün hinter den Ohren.

Andere Reportagen folgten damals und Pannen gab es neben Erfolgserlebnissen immer wieder. Aber hey, war eine verdammt lustige Zeit. Danke für die Erinnerungen, Jungs.

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6 thoughts on “Beim Radrennen – ein Flashback”

  1. Du warst beim Henninger Turm? Tolles Rennen, gelle?! Aber wenn ich lese, wie schwierig das Schreiben einer Reportage ist, bin ich froh, daß ich „nur“ fotoknipsen darf. Was mir einen Heidenspaß macht. Gerade die schnelle Action ist für mich der Kick bei der Sportfotografie.😉

    1. Umgekehrt, Bine: Die Henninger Tour war bei uns. Sehr praktisch🙂 Fährt bei uns vor der Haustür lang. Und das mit der Reportage: na, eine Frage der Übung…und Vorbereitung😉

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