Winter-Frühling-2

Wunschdenken – Wishful Thinking…

Winter-Frühling-2

Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dorther sendet er, fliegend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weisses,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dring ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus Strassen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss, in Breit‘ und Länge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.

(Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter, 1749-1832;
Osterspaziergang, Faust)

Ostern im Winter 2013

Winter-Frühling-3

Winter-Frühling-4

Winter-Frühling-5

Engel Grabmal im Schnee



Easter Walk

Loosed from their fetters are streams and rills
Through the gracious spring-tide’s all-quickening glow;
Hope’s budding joy in the vale doth blow;
Old Winter back to the savage hills
Withdraweth his force, decrepid now.

Thence only impotent icy grains
Scatters he as he wings his flight,
Striping with sleet the verdant plains;
But the sun endureth no trace of white;

Everywhere growth and movement are rife,
All things investing with hues of life:

Though flowers are lacking, varied of dye,
Their colours the motly throng supply.
Turn thee around, and from this height,
Back to the town direct thy sight.

Forth from the hollow, gloomy gate,
Stream forth the masses, in bright array.
Gladly seek they the sun to-day;
The Lord’s Resurrection they celebrate:

For they themselves have risen, with joy,
From tenement sordid, from cheerless room,
From bonds of toil, from care and annoy,
From gable and roof’s o’er-hanging gloom,
From crowded alley and narrow street,
And from the churches‘ awe-breathing night,
All now have come forth into the light.

Look, only look, on nimble feet,
Through garden and field how spread the throng,
How o’er the river’s ample sheet,
Many a gay wherry glides along;

And see, deep sinking in the tide,
Pushes the last boat now away.
E’en from yon far hill’s path-worn side,
Flash the bright hues of garments gay.
This is the people’s paradise.

Both great and small send up a cheer;
Here am I man, I feel it here.

(Johann Wolfgang von Goethe, German Poet, 1749-1832;
Easter Walk, Faust)

5 thoughts on “Wunschdenken – Wishful Thinking…”

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s