Jimmy Thailand showing panorama of Mae Hong Son

Caspar David Friedrich – die zweite Begegnung

Sonnenuntergang nach  C.D. Friedirch Collage hochEines vorweg: Ohne Zweifel ist Friedrich einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Romantik. Und es liegt mir fern, meine Bilderchen mit seinen Kunstwerken zu vergleichen, oder gar zu messen. Das wäre mehr als anmaßend und jeder Kunstexperte unter Euch (und ich denke da an jemanden im Speziellen) würde zurecht alle verfügbaren Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Dennoch begegnete mir Caspar David Friedrich in den letzten Tagen in verschiedenen Medien. Und das Erzählte und Gelernte erinnerte mich an ein eigenes Bild aus der letzten Serie.

Ein Zeitgenosse bezeichnete ihn einmal als den „Entdecker der Tragödie in der Landschaft“.  Sehr treffend, wie ich finde. „Er gilt mit seinen einfühlsamen Stimmungsbildern zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten als der bedeutendste Landschaftsmaler der Romantik. Viele Bilder stellen eine künstlerische Wirklichkeit dar, (…) eine Komposition subjektiver Stimmungen. Eine Parallele, die sich im Werk von Andreas Gursky wiederfindet. Der Fotograf wird oft in einem Atemzug mit Friedrich genannt.

Vielen Bildern Friedrichs liegt ein strenges Kompositionsprinzip zugrunde. Der Horizont liegt fast immer in der vertikalen Bildmitte und dient als eine Art Spiegelungsachse. In vielen Gemälden Friedrichs besteht ein Abgrund zwischen dem Vordergrund und dem weiten Hintergrund.

Die typischen Rückenfiguren Friedrichs erfüllen eine wichtige Funktion, nämlich die einer Identifikationsfigur. Meist sind sie mittig im Bild vor Lanschaften in besonderer Lichtstimmung positioniert, so dass sie den Fluchtpunkt verdecken. Dadurch wird der Betrachter animiert, sich in die Figur hineinzuversetzen und sich ebenfalls andächtig dem überwältigenden Naturereignis zu widmen.

Die Natur dient als Projektionsfläche für Empfindungen und Sehnsüchte des Betrachters; in ihr äußert sich die Naturanschauung und innere Weltsicht romantischer Zeit. Die Figuren stellen keine Individuen dar, sondern zeugen von einer intersubjektiven Haltung: Die Bilder deuten die Entfremdung des Menschen von der Natur an. Der Mensch ist nicht mehr harmonischer Bestandteil, auch wenn er sich das zu wünschen scheint, sondern steht außerhalb der Natur als passiver Betrachter. Der Maler betont diese Trennung kompositorisch durch die Kontrastierung der Farbgebung und den Helligkeitsunterschied der Flächen.“ (All dieses habe ich auch erst gelernt und ist u.a. zitiert aus Wikipedia.)

Die ein oder andere Beschreibung passt zu diesem Foto, das ich in Thailand schoss. Der Bildaufbau, der Abgrund und der weite Hintergrund, die Rückenfiguren, die tatsächlich selbst empfundenen Sehnsüchte bei diesem unfassbaren Blick in einem ausserordentlichen Abendlicht. Eine Tragödie der Landschaft… Es ist interessanterweise nun schon das zweite Mal, dass ich mich im Kontext meiner Fotos mit Friedrich befasse. (Hier das erste Mal.) Eine inspirierende Erfahrung. In uns Deutschen steckt halt immer noch tief die dunkle Sehnsucht der Romantik.

Nachtrag 12/2013: Nun bin ich ihm ein Jahr später schon wieder begegnet: Klick hier.

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This picture from famous German artist called Caspar David Friedrich reminded me of one of my pictures taken in Thailand. So I just digged a bit deeper into his artwork, and indeed found some formal settings that we obviously share. In contrast to me though, he was one of the most important 19th-century German artists and Romantic landscape painters. He is best known for his mid-period allegorical landscapes which typically feature contemplative figures silhouetted against night skies, morning mists, barren trees or Gothic ruins. He particularly shows people from the back, admiring the nature, separated by a deep canyon. What an inspiration.

nach  C.D. Friedrich - Sonnenuntergang

Caspar David Friedrich - Sonnenuntergang

13 thoughts on “Caspar David Friedrich – die zweite Begegnung”

  1. Eine interessante Betrachtung. Deine Empfindungen kann ich verstehen. Danke für die Informationen zum Bild, mit Friedrich hatte ich bisher noch keine Begegnung, aber jetzt sehe ich genauer hin😉
    lieben Gruß
    Karin

  2. Ist ja auch interessant, dass das Thailand-Bild für jemanden wie mich, der Thailand nicht kennt, so gar nicht wie Thailand aussieht. Ich hätte eher auf den bayrischen Wald getippt oder die Tschechei ….

  3. Interessante Betreachtung! Das mit den Rückenfiguren ist ja heute auch nicht mehr so einfach. Meist tragen sie auf dem Berggipfel kreischneonfarbene Funktionsklamotten, und quer über den Rücken spannt sich ein Werbeaufdruck — CDF hätte seine liebe Müh mit der Komposition gehabt …

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