Kaffee-Kunst

Slow-Coffee, New Yorks Entdeckung der ritualisierten Langsamkeit

Die New Yorker, also genau die, die Fast Food sozusagen erfunden haben und uns dazu den „Vanille-Schoko-Karamell-Coffee-to-Go-schnell-weiter-Kaffee“ beschert haben, entdecken gerade die Qualität der Langsamkeit für den wahren Genuß.

In den Coffee-Bars gibt es tatsächlich frisch gebrühten Kaffee, inklusive Porzellan-Filterhalter, Papierfilter und vor den Augen des Kunden frisch gemahlenen Bohnen. Drip-Bars nennt sich der neue Trend, und heisst: Der „olle“ Filterkaffee wird in Bars wie BlueBottleCoffee nach einem für deutsche Ohren fast ironisch genau beschriebenem Ritual frisch aufgegossen. Man braucht schlappe 10 Minuten, bis man den „totally new Pour-Over“-Kaffee dann mal in der Hand hat, und „experiencen“ darf…und das in New York! In unserer Hotellobby trafen wir dann tatsächlich auch noch den Melitta-Werbe-Barista-Mann aus der deutschen Melitta-Werbung. Der hatte sich mit einem Filmteam in New York schlau gemacht, wie das mit dem Kaffee-Brühen und Filterkaffee denn nun nochmal geht. Ist schon lustig.

Genau so lustig, wie die Tatsache, dass es das gute alte „Bodum-Drück-Runter-Brühverfahren“ jetzt auf amerikanisch gibt: wieder einzeln abgepackte, frisch gemahlene Bohnen, in Plastik und To-Go, das letztere „aber-bitte-erst-nach-dem-neuen-5-Minuten-warten-dann-please-press-it-down-Ritual“. Wirklich, das wird einem jedesmal an der Bar genau erklärt!

Neben Crepes und Bio-Milch-Eis läuft sich gerade das genetisch unmanipulierte, in – für New Yorker Verhältnisse ewigen – 15 Minuten sorgfältig zubereitete Bio-Sandwich mit begleitender, biologisch einwandfreier Ingwerbrause  warm. Um dem omnipresenten Hamburger endgültig Paroli zu bieten, wird es noch ein wenig dauern. Der ist einfach zu gut und ist, glaube ich, irgendwo in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verankert😉

Und hier noch der Melitta-Mann…verrückt, oder?

6 thoughts on “Slow-Coffee, New Yorks Entdeckung der ritualisierten Langsamkeit”

  1. … das ist in der Tat ein wenig verrückt!

    Wenn ich vor einigen Jahren hier in Hannover einen ganz normalen Filterkaffee bestellt habe, schaute man mich sehr entnervt an. Es wurde mehrfach nachgefragt, ob es nicht ein Latte Macchiato oder zumindest ein Cappuccino sein sollte. Inzwischen ist Filterkaffee kein Thema mehr …😉

    Liebe Grüße zur Kaffeezeit
    Bärbel

  2. So wie ich auf deinen hervorragenden Fotos sehe, wird der Kaffee zwar vorbildlich gebrüht, es gibt ihn aber offensichtlich immer noch im Pappbecher, vermutlich sogar zum Mitnehmen. Ich finde, „richtiger“ Kaffee gehört in eine Porzellantasse mit Henkel und wird mit einem echten Kaffeelöffel umgerührt. Dabei setzt man sich gemütlich auf einen Stuhl, schaut aus dem Fenster oder sein Gegenüber an, liest Zeitung oder redet mehr oder weniger Belangloses. Ein Viertelstündchen der Entspannung, des Auftankens und des Genusses….so muss Kaffeetrinken für mich sein.
    LG von Rosie

    1. Liebe Rosie, danke für deinen spannenden Kommentar! Doch, den Porzellanbecher gibt es inzwischen. Nur nicht auf meinen Bildern🙂 und noch nicht überall. Ich sah tatsächlich New Yorker mit Becher und Blick nach draussen in der Kaffeebar sitzen…also, es besteht Hoffnung😉 Andreas

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