Trauriges Norwegen

Heute kann ich kein neues Foto posten. Denn es kann an diesem Tag nur ein Bild geben. Ein ungeheuerliches, dass ich nicht aus dem Kopf bekomme, obwohl es dieses Bild niemals geben wird: Das Bild eines Mannes, der als wahrhaftiger Wolf im Schafspelz arglose Kinder um sich herum versammelt, um sie dann hinterrücks zu erschießen. Unfassbare 85 ahnungslose Menschenleben löscht er aus. Weil er es will. Minutiös geplant. Arglistig. Kaltblütig. Triumphierend.

„If a single man can display so much hatred –think only of how much love we all can display together.“ Stine Renate Håheim

Für viele junge Seelen, die er jagt, verletzt und verwundet, die verzweifelt und panisch um ihr Leben rennen und bis ins Mark erschrecken, wird diese Welt von nun an in einem anderen Licht stehen. Nichts wird für sie so sein, wie es werden sollte. Ihre Verzweiflung wird unermesslich sein, wenn Wut und Trauer der brutalen Gewissheit gewichen sind, dass man dem Guten nicht mehr trauen kann. Und wir alle verstehen plötzlich, dass das Schlechte über all lauern kann – nicht mehr nur im fernen Amerika, wo man solche Anschläge zur Kenntnis genommen hat. Sondern ganz nah, mitten in Europa. In einem der friedlichsten Länder, die man sich vorstellen kann. Auf einer Insel im norwegischen Paradies. Das Bild unserer heilen Welt hat seit gestern einen Riss mehr…

Nachtrag:
Das norwegische Volk zeigt uns in diesen Tagen, dass man doch auch anders, nämlich mit Zusammenhalt und Trost dieser Tat begegnen kann. Gerade habe ich den folgenden Blogeintrag eines der Augenzeugen auf der Insel gelesen, und bin zutiefst beeindruckt. Statt sich mit Hass gegen den Attentäter zu wenden, kommt er nach all seinen Schilderungen zu folgendem Schluß: „Please, don’t let me see any messages of hatred, wishes for the death penalty, anything like that. If anyone should be of the belief that anything will improve by murdering this sad little person, they would be profoundly wrong. All attention now should be plowed into caring for those victims and their relatives who did not share my luck, and not giving an audience to a perpetrator who wants one.“ Tore Sinding Bekkedal

Nachtrag 2:
Die Norweger überraschen mich im Umgang mit der Krise immer mehr. Gerade lese ich einen tollen Artikel im Spiegel online über den unglaublichen, kollektiv besonnenen Umgang der Norweger mit diesem Trauma. Im Gegensatz zu den Deutschen, so beschreibt der Autor, beeindrucken diese Menschen mit ihrer Ruhe und ihrer Liebe für Freiheit und Offenheit.

„Manchmal möchte ich gern ein Norweger sein.“ C. Schwennicke

In Deutschland dagegen dröhnten bereits die politischen Besserwisser am Mikrofon und forderten mehr Staat und mehr Kontrolle. Wirklich, kein kleiner feiner, sondern ein Riesenunterschied. Und so wahr. Manchmal möchte auch ich wie Sie gerne Norweger sein, lieber Christoph Schwennicke. Danke für Ihren Artikel.

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