Die Kinderaugen

Winter 1781: Kinderaugen – Teil 3

* frei nach einem Bühnenstück des Museumtheaters Hessenpark

Als wir nach der Messe aus dem Gotteshaus traten, stritten der Schultheiss und der Vogt weiter. Die tönernde Pfeife des Fürstenmannes rauchte mit jedem Wort, dass er dem Dorfoberhaupt entgegen warf.

Doch das alles interessierte mich nicht. Ich schritt mit klopfendem Herzen auf Elisabeth zu, die mit ihren beiden Kindern und ihrer Freundin unter den anderen Kirchgängern stand und das eben erlebte diskutierte.

Sie erkannte mich sofort. Als hätte sie mich erwartet, seit langer Zeit. Und sie erfasste die Situation mit einem Blick. Ich war, anders als vor zwei Jahren, als wir unter den Blicken der Kinder und der Freunde das Dorf verlassen hatten, allein ohne ihren Mann zurück gekehrt. In ihren Augen erlosch der Glanz, ihr Gesicht verzerrte sich maskenhaft. Ich neigte mein Haupt, als ich weiter auf sie zu schritt. „“Elisabeth,“, begann ich meine Worte, als ich nahe bei ihr stand, aber meine Stimme brach und alle Sätze, die ich mir noch zuvor überlegt hatte, schienen bedeutungslos angesichts der fragenden Blicke der Kinder.

Die Kinder spürten am Handgriff ihrer Mutter, der sie umklammerte, das etwas nicht stimmte. „Franz,…er ist von uns gegangen.“ Elisabeth und ihre Freundin starrten mich an. Zuerst erschrocken, dann fassungslos. Fragend. Die Freundin nahm die kleine, mit brauner Kapuze vor der Kälte geschütze Tochter Elisbeths auf den Arm. Die kleine schluchzte.

In diesem Moment entschloss ich mich, die ganze Wahrheit für mich zu behalten. „Wir wurden überfallen. Wegelagerer. Wir haben uns gewehrt. Es…tut mir so leid.“

Das Entsetzen ihrer Mutter übertrug sich nun auch auf die Kinder. Dass ihr Vater als Wegelagerer gefangen und getötet worden war, sollten sie niemals erfahren. Das Geld, dass ihre Zukunft ein Stück besser machen sollte, steckte in meinem Korb. Sie sollten es ohne das Unrecht, was daran klebte, ihr Eigen nennen. Als Erbe eines Vaters, den sie nie richtig kennen lernen sollten. Das war mein Entschluss. So sollte es sein.

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