Der Frust

Winter 1781* – Teil 1: Die Hiobsbotschaft

* frei nach einem Bühnenstück des Museumtheaters Hessenpark: Das Programm des Ensembles gibts hier.

Es war ein kalter Mittag. Unentschlossen stand ich vor dem Ortseingang des kleinen hessischen Dörfchens Usingen. Vor mir die alte Mühle, die ich schon so lange nicht gesehen hatte.  Ich hatte heute einen langen Marsch hinter mir, war durchgefroren, die Zehen schienen abgefroren. Die letzte Nacht hatte mir den Rest gegeben. Es war Mitte Februar, und der Frost hatte den Taunus fest im Griff. Auf den Wipfeln waren über Nacht die tiefhängenden Wolken an den nackten Bäumen festgefroren. Die Landschaft schien, als hätte sie jemand mit Mehl bestäubt. Aber es war Eis. Und meine klammen Finger konnten das bezeugen.

Ich war bereits hier gewesen. Damals, vor zwei Jahren,  hatte ich die Bewohner des Dorfes kennen- und liebe gelernt. Diesmal  kam ich zurück, mit einer grausigen Nachricht, die zu überbringen mir nicht leicht viel…

Ich war ein Tagelöhner. Das Leben eines Tagelöhners war einfach zu beschreiben. Es war bescheiden. In meinem Korb auf dem Rücken trug ich meinganzes  Hab und Gut. Manchmal auch den Verdienst einer kleinen Arbeit, ein Brot, oder wie heute, ein kleines Tuch voll mit Salz. Salz war wertvoll in diesen Zeiten. Und ehrlich gesagt hatte ich es in der Backstube eines Bäckers, dem ich zur Hand gegangen war, geklaut. Um es zu recht zu stellen: eigentlich hatte es mir auch zugestanden. Statt der vereinbarten fünf Stunden hatte ich dem Bäcker acht Stunden meines Dienstes geleistet. Und doch nur den Lohn für fünf bekommen. Mein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn hatte mich in einem unbemerkten Moment  einen Griff in die Salzmühle machen lassen. Es würde niemand merken. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben…Aber vielleicht konnte ich es gegen ein Brot und eine warme Mahlzeit tauschen. Mein Gott, wie sehr ich mich nach einer überdachten Schlafstatt sehnte. Dafür musste ich aber in dieses Dorf hinein. Entschlossen rückte ich meinen schwarzen Filzhut zurecht, strich mir über mein unrasiertes Kinn, und ging voran.

Langsam schlenderte ich über den festgefrorenen Boden. Die Steine knirschten unter meinen Holzschuhen. Die Straßen schienen zwischen den buckeligen, krummen und braun weißen  Fachwerkhäusern wie ausgestorben. Doch, es gab auch Leben an diesem eisigen Tag. Auf dem Hof eines Bauern rupfte ein Mädchen ein Huhn. Maria. Erinnerungen an eine leidenschaftliche Nacht fuhren angenehm durch meinen Kopf. Es war die impulsive Liebe eines jungen Mädchens gewesen, die auf dem entfernten Dachboden der Scheune unsere Liebe in rasende Momente der Leidenschaft gewandelt hatte. Mit wurde gleich noch ein wenig wärmer. Düfte und Gerüche nach Liebe und Stroh schienen plötzlich wieder in meine Nase zu kriechen. Es war richtig gewesen, wieder herzukommen.

In ihrem Umhang und ihrer weißen, frisch gestärkten Spitzenhaube wirkte Maria sauber und gepflegt, trotz ihrer blutigen Arbeit. Sicher roch sie auch noch so gut nach Stärke und dem Sonntagsbad. „Gott zu Gruße!“, warf ich ihr über den Zaun entgegen. Sie blickte fragend auf.

Die beiden Gesellen, die sich in einer anderen Ecke des Hofes über einen Stapel Holz hermachten, um es mit armseligen, rostigen Sägen und Äxten zu Ofenholz zu machen, schauten kurz herüber.

“ Wer bist du?“,  fragte sie, und hielt ihre feuchten, mit Hühnerblut und Federn beklebten Finger für einen Moment still. Ihre Nase war immer noch so süß, wie ich sie in Erinnerung hatte. Ihre Augen pechschwarz und funkelnd. „Heinrich.“, sagte sie.“ Sag, du erinnest dich nicht mehr?“, und klang dabei vielleicht eine Spur selbstbewußter als ich es wollte. Leicht errötend schaute sie mir in die Augen, dann wendete sie sich wieder ihrem Huhn zu. „Das ist lange her, Hein.“ murmelte sie leise. „Viel hat sich allerdings nicht verändert.“ Sie lächelte auf diese mädchenhafte Weise, die mich geradezu entzückte. „…es ist schön, dich wiederzusehen.“

Einer der beiden Männer am Holzhaufen schrie lauthals auf. Ihre Werkzeuge waren eigentlich kaum mehr zu gebrauchen. Das sah ich von der Seite.  So lächerlich rostig und stumpf, dass man nach Italien hätte damit reiten können. Ein Holzscheit war dem Rothaarigen nun auf den Fuß gefallen.

Der Arbeiter

Ungespalten, wohl mit Wucht.  Eine scharfe Stimme schallte über den Hof. „Was schimpft ihr Trottel da herum?“ Es war die Stimme des Schultheiß, ich erkannte ihn sofort wieder. Der Kerl hatte sich vor zwei Jahren bereits um meine „Abgaben“ gekümmert. Steuern, wie er es forderte, seien vor Ort zu zahlen. In seinem grünen Gehrock und dem Dreispitz auf dem Kopf sah er fast fesch aus. Allerdings sah auch müde aus. Erschöpft. Seine Aufgabe, die Mitglieder einer Gemeinde zur Leistung ihrer Schuldigkeit anzuhalten , also Abgaben einzuziehen oder für die Einhaltung anderer Verpflichtungen Sorge zu tragen, war eine ständige Gradwanderung. Auf der einen Seite mußte er seinem Landesherrn die erwarteten Mittel überbringen, zum anderen hatte er dazu den Menschen im Dorf auch eine Existenzgrundlage zu belassen, damit diese überhaupt eine florierende Wirtschaft unterhalten konnten. Und genau darum sollte es nun gehen.

Einer der beiden Kerle blickte dem Schultheiß fest in die Augen. „Nun, der Herr Schultheiß, wenn er sich ein Bild von dem Schrott hier machen möchte, mit dem wir arbeiten müssen…Wir wären zweimal so schnell, wenn er uns eine geschliffene Axt geben könnte.“ Mürrisch betrachtete der Schultheiß das Werkzeug, dass der Rothaarige ihm unter die Nase hielt,  leicht vorgebeugt, ohne die Hände von seinem Gertenstock zu nehmen.Sein mürrischer Blick mäßigte sich angesichts dessen, was er sah. „Ich werde sehen, was ich tun kann.“, erwiderte er, offensichtlich ein wenig erschüttert vom Zustand der Axt.

Dann besann er sich wieder seiner Rolle: „Wohl noch nie Menschen arbeiten gesehen, wie?“ warf er mir mürrisch entgegen. „Gott zum Gruße, Herr Schultheiß.“, erwiderte ich, na sagen wir fast freundlich. „Bin auf der Suche nach Arbeit und Lohn. Wenn Herr Schultheiß möchte, arbeite ich auch für eine warme Suppe und ein Dach über dem Kopfe.“

Der Schultheiss wirkte abwesend. „Komme später zu mir“, und dann ein wenig lauter, so dass ihn jeder der Anwesenden hören konnte: „Jetzt gehen wir in die Kirche. Es ist Gottesdienst, und der fürstliche Gesandte ist im Dorf.“

Mit dem  Stock planlos umher  fuchtelnd verließ er fahrig den Hof durch das große Tor. „Eigentlich ist er ganz nett,“ flüsterte  mir Maria zu, und ergänzte kichernd: „Wenn seine Frau ihn machen lässt…“.

Im Hinterhaus verstummte das leise Drehen eines Spinnrades.  Eine Frau mittleren Alters trat mit einem Stück Brot in der Hand durch die Tür des Bauernhauses. Ich erkannte sie wieder.Marias ältere Schwester. Die Arbeit bei Wind und Wetter hatte ihre Gesicht gezeichnet. „Seid gegrüßt, Karla.“, sprach ich sie an. Sie erkannte mich sofort, und ich spürte, dass sie wußte, was Maria und mich damals verbunden hatte.„Ich suche Elisabeth, die, die ihre zwei Kinder ohne Ehemann aufzieht.“  Es schien geradezu, als hätte sie den Teufel in mir wieder erkannt. „Was willst du Streuner von Elisabeth? Lass sie in Ruhe. Es fehlt noch, dass sie noch mehr Probleme bekommt.“ Unter ihrer weißen Spitzenhaube wirkte ihr Gesicht grob und abweisend.

Sie verließ den Hof  hastigen Schrittes. Ich musste hilflos gewirkt haben, denn die Maria hatte ihr Huhn in einen Reisighaufen gelegt, berührte mich kurz amArm, und flüsterte mir zu: „Du bist ein guter Mensch. Ich hoffe, du hast keine schlechten Nachrichten für Elisabeth?!“ Ihre Frage war fast eine Bitte. Also lebte Elisbath noch im Dorf. Bei dem Gedanken sie bald zu treffen, regte sich mein Magen. Mein Schweigen schien ihr Antwort genug. Ein trauriger Schatten legte sich über ihr bisher so fröhliches Gesicht. „Du wirst sie wahrscheinlich in der Kirche finden, mit den Kindern und ihrer Freundin.“ Sie schien Tränen in den Augen zu haben. Schnell, aber nicht beschämt wandte sie sich ab. Eher so, als habe sie den Boten schlechter Nachrichten schon lange erwartet. Ich bereute, dass ich der Überbringer war.

Die Männer hatten von unserer dramatischen Unterhaltung nichts mitbekommen. Sie legten ihre unnütze Axt und Säge nieder. Alle folgten dem Schultheiss auf dem Weg in die Kirche und ließen mich allein zurück.

Welch eine Gelegenheit. Ich schaute mich um. Das Dorf war gut in Form. Im angrenzenden Stall tobten kleine Schweine durch den Holzverschlag. Weiß, mit schwarzen Flecken. Schon beim Anblick der kleinen Ferkel lief mir bereits das Wasser im Munde zusammen. Kurz schoss mir durch den Kopf, eines der kleinen Viecher unter den Arm zu klemmen und das Dorf fluchtartig zu verlassen.  Schnell verwarf ich den Gedanken. Dafür war ich diesmal nicht gekommen. Ich hatte einen Auftrag.

Es war vor zwei Jahren gewesen. Nach meiner Arbeit mit den Schafen hatte ich Usingen wieder verlassen. Aber nicht allein. Franz, Elisabeths Mann begleitete mich. Wir hatten uns während der Schafschur kennen gelernt und waren Freunde geworden. Am Tisch im Kreise seiner jungen Familie hatten wir viel gesprochen. Von harten Zeiten, Steuern, und der schweren Aufgabe, eine Familie zu ernähren. Letzeres lastete schwer auf ihm. Meine Geschichten über Tagelohn und Reisen durch Preußen und Bayern hatten in ihm den verzweifelten Plan erweckt, seine Familie mit ersparten Talern versorgt im Dorf zurück zu lassen, um bessere Verdienstmöglichkeiten durch Tagelohn zu finden. Sein Plan war es, eines Tages mit viel Geld zurück zu kommen, und seinen Kindern eine bessere Zukunft zukommen zu lassen-

So wren wir losgezogen. Wir waren damals viele Tage marschiert, und unsere Vorräte und Taler waren am Ende. Verzweiflung machte sich breit. Plötzlich änderte sich alles. Von einem Moment auf den anderen. Wir gerieten in einen Hinterhalt von Wegelagerern. Ihr Anführer war ein Räubersmann, der mit seinen Gesellen reiche und wohlhabende Reisende und Transporte überfiel, und die Beute vornehmlich an sich vertteilte.

Schnell hatte die üble Brut gemerkt, dass wir weniger Geld  hatten als sie, und ließen von uns ab. Ihr Anführer, ein langhaariger, großgewachsener Haudegen, hatte dann uns gefragt, ob wir ihn nicht bei seinem räuberischen Tun unterstützen wollten. Wir hatten eigentlich keine Wahl, also ließen wir uns überreden.

Unsere nächsten Monate bestanden aus Warten am Wegesrand, Herumziehen im Land, Leben im Verborgenen und Rauben. Schnell hatten wir gemerkt, dass es weniger darum ging, uns selbst zu berreichern, sondern vielmehr darum, die Taschen des Haudegens zu füllen. Er sorgte für seine Bande im Gegenzug nur mit Brot und Trank. Für mich allerdings war bald klar, dass dies nicht mein Traum vom Leben war. Ich wollte meinen Verdienst nicht zu 90 Teilen abgeben. Eines Nachts ließ ich Franz wissen, dass ich mich davonstehlen wolle. Er hingegen  wollte bleiben und noch ein paar Taler für sich abzweigen, um dann zu seiner Familie zurück zu kehren. Es war eine Neumondnacht, als ich meinen Plan in die Tat umsetzte. Leise stahl ich mich aus dem Lager. Es war um die dritte Stunde, und aus Erfahrung der letzten Monate wusste ich, dass nun selbst die Wache schlafen würde. Franz blieb schnarchend zurück. Der Mond war hinter dunklen Wolken unsichtbar. Ich konnte die Hand nicht vor Augen sehen. Mit jedem Schritt, den ich in dieser tiefen Dunkelheit vorsichtig vor den anderen setzte, wurde mir wohler ums Herz. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, schnell, und so laut, dass ich Angst hatte, es könne jemanden wecken.   Jetzt bloß keinen Ast oder Zweig unter meine Holzschuhe bringen. Das Knacken hätte selbst die betrunkene Wache aufschrecken lassen. Ich brauchte eine gefühlte Ewigkeit, und ich fürchtete schon, die Sonne könnte noch vor meinem Verlassen des Waldes aufgehen. Doch meine Flucht gelang. Ich war frei.

Tagelang rannte ich Zick Zack durch die Landschaft. Versuchte nicht aufzufallen, aus Angst, der Räuberhauptmann könnte mich verfolgen lassen. Fahnenflüchtige erwartete auch in Räuberkreisen keine Gnade. Erst nach zwei  Wochen war ich mir sicher, dass ich es geschafft hatte.

Monate zogen ins Land, und ich kam zurecht. Mein Plan ging auf. Ich konnte überleben und genoss die Reise durch das Land des württembergischen Markgrafen.

Im Sommer des Jahres  1780 war ich wieder einmal in der Früh auf einem kleinen württembergischen Marktplatz, und bot meine Dienste auf dem Wochenmarkt an. Es herrschte bereits munteres Treiben. Der reisende Schmied, gut zu Fuß in seinen hochgeschnürten Stiefeln, befeuerte seine Werkzeuge.

Die Markthändler hatten bereits gut zu tun. Es gab frisches Gemüse, Käse, beim Metzger hingen die frischen Würste am Haken.

Die Sonne schien vom blauen, wolkenlosen Himmel  und für die frühe Stunde war es bereits angenehm warm. Alles schien bereit für einen schönen Tag, als plötzlich ein Trupp Soldaten mit ihren bunten Röcken und auf Pferden sitzend auf den Platz stürmten. In Ihrem Schlepptau drei Gefangene, die sie an den Händen gebunden auf den Platz schubsten.

In diesem Moment  erstarrte das Blut in meinen  Adern. Mit einem Blick hatte ich Franz unter den drei Gefangenen erkannt. Blutüberströmt wurde er hinter dem Pferd geschleift. Er war offensichtlich  am Ende seiner Kräfte. Kaum hatten die Soldaten neben dem Brunnen des Marktplatzes  abgesessen, brauch er zusammen. Schnell hatte sich eine Gruppe gaffender Marktweiber um die drei Gefangenen und ihre Wächter gescharrt. Ich drückte mich durch die Traube der Menschen hindurch, und kniete direkt neben Heinrich nieder. „Franz“, flüsterte ich, „ ich bin’s, Heinrich.“ Mühsam formten seine Lippen einen Satz. Seine Augen flackerten kurz auf, als er mich erkannte. „Elisabeth…sag ihr, es tut mir Leid…“, brach es leise aus seinem Mund.  „Heinrich…nicht…“, stammelte ich und rang nach Worten, die mir nicht in den Sinn kommen wollten. Da  spürte ich, wie Franz zittrige Hand mir ein Säcklein in die Hand drückte, unbemerkt von der umstehenden Meute, da in diesem Moment einer der Soldaten angefangen hatte, einen der beiden anderen Gefangenen laut schimpfend  mit Fußtritten zu malträtieren. „Kümmere dich bitte um…“, stöhnte Franz, seine Hand drückte kurz die meine und erschlaffte. Das war das Ende seiner Reise, die mit so viel Hoffnung und Sehnsucht nach einer besseren Zukunft für seine Familie begonnen hatte.

Mir wurde schwarz vor Augen. Ich drohte umzukippen. Nein. Nur das nicht. Ich versuchte mich bei Bewußtsein zu halten, indem ich mit mir auf die Lippen biss. Langsam und unauffällig zog ich mich rückwärts zurück. Mein Instinkt  hämmerte  mir in den Schädel, dass ich hier in Gefahr war. Und ich durfte nicht erwischt werden. Mein Puls beschleunigte sich. Ich hatte einen Auftrag. Ich musste Elisabeth nach nun fast zwei Jahren wiederfinden…und ihr die entsetzliche  Nachricht und den Verdienst zu überbringen, den Heinrich mit seinem Leben bezahlt hatte.

Nun war also kurz davor, meine Mission zu erfüllen. Vorsichtig ging ich durch über den Hof, betrat die Straße. Genau in dem Moment, als der fürstliche Steuereintreiber mir entgegen in Richtung Kirche eilte. „He, du. Es ist Gottesdienst.“, gab er mir barsch zu verstehen und musterte mich kurz mit scharfen, blauen Augen. Den Dreispitz-Hut hatte er unter seinen Arm geklemmt. So wie es die Mode des französischen Hofes Ludwigs VI lehrte.

Seine aschblonden Haare waren fein säuberlich und stramm hinter dem Kopf zu einem Pferdeschwand zusammen gebunden. Sein brauner Gehrock wirkte fast wie neu. Ohne eine Antwort abzuwarten, rauschte er an mir vorbei, in Richtung Kirche.

Ich betrat die Kirche gleich hinter ihm. „Verheiratet oder ledig?“, herrschte mich der Fürstliche Gesandte an, als hätte er hier im Gotteshaus ebenfalls das Sagen…“Verheiratet“, log ich. „Dann hoch auf die Empore!“, befahl er mir mit einem eisigen Blick, der die Temperatur in dem ohnehin nur durch die Körperwärme der  anwesenden Gemeinde geheizten kleinen Kirche gleich einen Grad kälter erscheinen ließ. Die Mädchen in den voll besetzen Bänken drehten neugierig den Kopf. „Hübsch“, dachte ich. Als ich Maria sah, bereute ich meine gedanken sogleich, und beschloss, sie später zu besuchen. Vorsichtig folgte ich dem Fürstenmann über die knarrende Treppe nach oben. Der Pastor war bereits in seiner Kanzel und hatte begonnen, das Wort an die Gemeinde zu richten. Mein Blick galt von diesem Moment nur noch Elisabeth, die mit ihren Kindern in der dritten Reihe sass.

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