Spiegelungen in Gent

Spieglein, Spieglein | Gent

Städte in der Nacht sind anders. Kaum wieder zu erkennen. Dinge scheinen in einer anderen Realität zu stehen. Und auch unsere Wahrnehmung ändert sich. Die Iris des menschlichen Auges steht weit auf. Die Sinne sind … aufmerksamer. Als ich diese Gracht in der alten belgischen Textilmetrolpole Gent erblickte, fühlte ich mich auf einen Schlag in die Sepia-Welt des Mittelalters zurück versetzt (wohlgemerkt, dieses Bild ist nicht mit der Sepiafunktion nachbearbeitet oder gar aufgenommen). Rings um mich herum schienen die Geräusche des 21. Jahrhunderts plötzlich gedämpft. Das warme Licht der Strassenlaternen beleuchtete die mittelalterlichen Häuser der Textilkaufleute wie eine Traumkulisse. Das Wasser, das am Tag noch bewegt die emsigen Touristenboote getragen hatte, schien zur Ruhe gekommen und liess die Stadt in ihrer doppelter Schönheit erstrahlen, im Gestern und Heute zugleich. Beides schien im Hier und Jetzt zusammenzufließen – für diesen einen Moment. Solch‘ einen Blick hatte ich nur nicht erwartet – ich hatte kein Stativ dabei. Nicht heute Nacht. Aber unversucht konnte ich es nicht lassen. Vorsichtig positionerte ich meine Kamera am Rande des gegenüberliegenden Holzstegs, und wartete darauf , dass kein nächtlich umherwandernder Student den Holzboden mehr vibrieren lies, lies los, und trat einen Schritt zurück. Der Timer zählte die Sekunden rückwärts, ich hielt buchstäblich den Atem an…und ein Abbild der doppelten Schönheit Gents war meins.

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